Jonathan Joosten

Artistic Researcher and Multimedia Artist based in Berlin

 

Umsiedlung der Märzenbecher

The performance and video "Umsiedlung der Märzenbecher" is a work by Juri Joosten and Carl Hartmann realised in June 2022. It relates the ruin of Berlins former train station Anhalter Bahnhof with the transformed landscape of Bitterfeld where the yellow bricks orginate from. The forest "Goitzsche" in Bitterfeld was transformed into a huge open mine to extract clay for the famous bricks called Greppiner Klinker and coal. In the performance an extract of a book that reflects these changes in Bitterfeld is read out to to ruin. 

Realised under the supervision of Alexandra Toland and Caroline Ektander for OSTEN festival 2022.



English translation of the performance text (german version below):

"Berlin Anhalter Bahnhof. Until the mid-20th century, one of the city's most important long-distance railway stations. In 1929, 100 trains served between 20,000 and up to 60,000 passengers.

A silent witness to industrialisation, that brought sorrow and prosperity at the same time, it later became a witness to the worst crime of mankind: the industrial murder whose deportations also started from here.
The station building was severely destroyed by the fascist war and the remains were demolished in 1959. Only the fragment of the portal with the allegorical figures Day and Night was preserved.

Greppiner Klinker - A hard-fired yellow brick made from a layer of clay that laid over lignite deposits in the Bitterfeld-Wolfen region. In the period between 1871 and 1900, this brick was used internationally for the façade of representative public buildings. Its closed surface makes it impermeable to water and therefore insensitive to dust and soot.

Der Heimatraum von Bitterfeld - A handbook to get familiarised with and hike through this area for our schools and for those interested in local heritage. A collective work of numerous teachers under the direction of Reinhard Kohlmann. Published by the Bitterfeld District Pedagogical Cabinet in 1964.

The Goitsche, which since 1952 has gradually fallen victim to lignite mining, was once a popular recreation area for the inhabitants of the districts of Bitterfeld and Delitzsch. It was only a few minutes' walk from Bitterfeld and one could then spend hours walking or even hiking in this riparian forest. According to the different ecological conditions, a distinction could be made between the actual riparian forest, the carr, the dry pine forest, the meadows and the water areas. The Goitsche was one of the best researched forest areas in the Bitterfeld district. Even a small selection of the floristic treasures found here would give an idea of the loss that occurred with the disappearance of the Goitsche during the economically important lignite mining. However, the aim of this paper does not allow us to go into the biological past and thus what can no longer be explored."



German Version of Performance text:

"Berlin Anhalter Bahnhof. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts einer der wichtigsten Fernbahnhöfe der Stadt. Im Jahr 1929 bedienten 100 Züge zwischen 20.000 bis zu 60.000 Reisende.
Der stumme Zeuge der Industrialisierung, die Leid und Wohlstand zugleich brachte, wurde später Zeuge des größten Verbrechens der Menschheit: des industriellen Mordes dessen Deportationen auch von hier ausgingen.
Das Bahnhofsgebäude wurde durch den vom Faschismus ausgehenden Krieg stark zerstört und die Reste im Jahr 1959 abgetragen. Erhalten wurde nur das Fragment des Portikus mit den allegorischen Figuren Tag und Nacht.
Greppiner Klinker – Ein hartgebrannter gelber Ziegelstein aus einer Tonschicht die über Braunkohlevorkommen der Region Bitterfeld-Wolfen lag. Im Zeitraum zwischen 1871 und 1900 wurde dieser überregional zur Verblendung repräsentativer öffentlicher Gebäude verwendet. Seine geschlossene Oberfläche macht ihn wasserundurchlässig und daher unempfindlich gegen Staub und Ruß.


Der Heimatraum von Bitterfeld – Ein Handbuch zum Kennenlernen und Erwandern dieses Gebietes für unsere Schulen und für interessierte Heimatfreunde. Eine Kollektivarbeit zahlreicher Lehrer unter der Leitung von Reinhard Kohlmann. Herausgegeben vom pädagogischen Kreiskabinett Bitterfeld 1964.


Die Goitsche, die etwa seit 1952 nach und nach dem Braunkohlenbergbau zum Opfer fiel, war den Bewohnern der Kreise Bitterfeld und Delitzsch einmal ein gern besuchtes Erholungsgebiet. Von Bitterfeld aus konnte man sie in wenigen Minuten erreichen und dann stundenlang in diesem Auwald spazieren gehen, ja Wanderungen unternehmen. Den unterschiedlichen ökologischen Verhältnissen entsprechend, war zwischen eigentlichem Auwald, Bruchwald, trockenem Kiefernwald, Wiesen und Wassergebieten zu unterscheiden. Die Goitsche war eines der am besten erforschten Waldgebiete des Kreises Bitterfeld. Schon eine kleine Auswahl der hier vorkommenden floristischen Kostbarkeiten ließe den Verlust ahnen, der mit dem Verschwinden der Goitsche im Zuge des ökonomisch wichtigen Braunkohlenabbaus eingetreten ist. Doch erlaubt es die Zielstellung dieser Schrift nicht, auf biologisch Vergangenes und damit nicht mehr zu Erwanderndes einzugehen.
Manche Zwiebel und mancher Wurzelstock dürften allerdings dem Bagger entkommen sein. Davon zeugen mehr als ein Garten in Döbern, Seelhausen, Niemegk und Bitterfeld, wo Leberblümchen (Hepatica nobilis) und Märzenbecher (Leucojum vernum) ebenso liebevoll gepflegt werden wie Türkenbund (Lilium martagon), Maiblume (Convallaria majalis) und Salomonsiegel (Polygonatum multiflorum). Im Jahre 1955 und auch noch 1956 wurden mit tatkräftiger Unterstützung einiger Schüler etwa 1200 Leucojum-Zwiebeln in den Salegaster Forst umgesiedelt, wo sie zumeist zusagende Verhältnisse fanden und zum großen Teil gut fortkamen.
Unsere Pflanzenwelt hat der Industrialisierung und der Kultivierung Opfer bringen müssen und hat Veränderungen erfahren. Die Ausdehnung der Ortschaften, Straßenbau, Aufschlüsse, notwendige Meliorationsarbeiten usw. zeigten ihre Auswirkungen. Alte Floren nennen nicht wenige Pflanzen, die ihren Standort im Kreise Bitterfeld verloren haben und die, da sie nicht ausweichen oder sich neuen Verhältnissen nicht anpassen konnten, ausgestorben sind.„